Novavax in Deutschland: Die sieben wichtigsten Fakten (2024)

Erklärt

Ab dem 21.Februar werden 1,4Millionen Dosen Novavax-Impfstoff an Deutschland ausgeliefert. Wir erklären, was er enthält und wie er schützt. Und ob er die Impflücke schliessen wird.

Novavax in Deutschland: Die sieben wichtigsten Fakten (1)

Neue Corona-Vakzine für Deutschland mit altbekannter Technologie: Wir haben zusammengefasst, was man über die Vakzine namens Nuvaxovid der amerikanischen Pharmafirma Novavax weiss.

Was unterscheidet den Novavax-Impfstoff von den bisher erhältlichen?

Die Novavax-Vakzine weist andere Inhaltsstoffe auf als die Produkte von Biontech, Moderna, AstraZeneca und Johnson&Johnson. Eine Spritze Nuvaxovid enthält gentechnisch hergestellte und dann gereinigte Stachelproteine von Sars-CoV-2. Diese werden aneinandergekoppelt, so dass ein Gebilde ähnlich einer Gänseblümchenblüte entsteht, mit viralen Stachelproteinen als Blütenblättchen. Nuvaxovid enthält also kein genetisches Material von Sars-CoV-2.

Proteinimpfstoffe gibt es schon länger. So enthalten beispielsweise auch die Influenza-Impfstoffe virale Proteine. Da reine Proteine keine sehr intensive Immunantwort auslösen, wird Proteinimpfstoffen noch ein sogenannter Wirkverstärker dazugegeben. Bei der Novavax-Vakzine ist dies eine seifenartige Substanz aus dem Seifenrindenbaum. Diese ärgert das Immunsystem, so dass es eine effizientere Immunantwort aufbaut.

Hingegen enthalten die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna Erbgut von Sars-CoV-2. Und zwar nur den Teil, der die Bauanleitung für das Stachelprotein in sich trägt. Ähnlich sind die Vektorimpfstoffe von AstraZeneca und Johnson&Johnson aufgebaut. Hier wurde die Bauanleitung für das Stachelprotein in Form von DNA in eine Genfähre, den Vektor, eingebaut. Bei mRNA- wie auch bei Vektorimpfstoffen wird somit das virale Stachelprotein in den Körperzellen hergestellt und dann dem Immunsystem präsentiert. Bei Proteinimpfstoffen wird es fertig zusammengesetzt geliefert.

Wirken alle Corona-Impfstoffe gleich?

Ja. Bei allen, unabhängig davon, was sie enthalten, entwickelt das Immunsystem spezifisch gegen das Stachelprotein von Sars-CoV-2 gerichtete Antikörper. Diese neutralisieren dann das echte Virus, sollte man es aufschnappen. Zudem werden Killerzellen gebildet, die von Sars-CoV-2 befallene Körperzellen erkennen und vernichten.

Warum wird die Novavax-Vakzine als Totimpfstoff bezeichnet?

Ein Totimpfstoff ist ein Impfstoff, der keine vermehrungsfähigen Erreger aufweist. Das Produkt von Novavax enthält reine Proteine des Coronavirus, aber keine lebenden Viren, es erfüllt also die Definition.

Doch auch die mRNA-Impfstoffe und die Vektorimpfstoffe enthalten keine lebenden Coronaviren, sie sind definitionsgemäss also auch Totimpfstoffe.

Der Begriff ist historisch zu erklären. Zu Beginn der Impfstoffproduktion vor vielen Jahrzehnten gab es nämlich Impfstoffe – zum Beispiel gegen Pocken –, die vermehrungsfähige Erreger enthielten. Um die Vakzinen ungefährlicher und besser verträglich zu machen, wurden dann Erreger chemisch inaktiviert, so dass sie nicht mehr vermehrungsfähig waren. In Unterscheidung zu den anderen Vakzinen wurde dafür der Begriff Totimpfstoff eingeführt. In der Folgezeit wurden die Herstellungsmethoden für Impfstoffe verfeinert, so dass diese nur noch Bestandteile eines Erregers enthalten. Dazu zählen Proteinimpfstoffe, solche, die nur einen inaktivierten Giftstoff enthalten wie das Tetanusvakzin, aber eben auch Vektor- und mRNA-Impfstoffe.

Wie gross ist der Schutz?

Gemäss den Studien erzielt das Produkt von Novavax eine Schutzwirkung von 90Prozent gegenüber einer Infektion sowie einer schweren Erkrankung. Somit könnte die Vakzine ähnlich gut wie die mRNA-Vakzine sein. Allerdings wurde dieser Wert in einer Phase der Pandemie ermittelt, als noch die früheren Varianten zirkulierten. Erfahrungsgemäss ist der Schutz vor einer Infektion mit der Omikron-Variante bei allen bisher in Deutschland verwendeten Vakzinen geringer als der Schutz vor früheren Virusvarianten. Erste Daten aus einer noch laufenden Studie zeigen, dass auch der Novavax-Schutz vor einer Omikron-Infektion geringer ist.

Da noch keine Daten von ausserhalb des Studien-Settings vorliegen, kann man noch nicht sagen, wie lange der Novavax-Schutz tatsächlich anhält. Bei den mRNA- ebenso wie bei den Vektorimpfstoffen hatte sich gezeigt, dass der Schutz vor einer Infektion im Laufe der Monate abnimmt. Der Schutz vor einer schweren Covid-19-Erkrankung ging jedoch nur geringfügig zurück und blieb insgesamt hoch. Um den Schutz zu verbessern, wurde das Impfschema um die dritte Dosis, den sogenannten Booster, erweitert.

Wie darf der Novavax-Impfstoff eingesetzt werden?

Die Novavax-Vakzine ist in der EU zugelassen für Personen ab 18 Jahren als Basisimmunisierung, sprich für die ersten beiden Dosen. In den Studien wurden keine schweren Nebenwirkungen bekannt, berichtet wurden vorübergehende Nachwirkungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Schmerzen an der Injektionsstelle. Für Schwangere und Stillende wird der Einsatz nicht empfohlen, da hierzu noch Daten zur Sicherheit fehlen.

Da ebenso noch Daten zur Wirksamkeit und zur Verträglichkeit als Booster fehlen, ist die Novavax-Impfung derzeit noch nicht für die dritte Spritze zugelassen. Gemäss dem Hersteller soll eine dritte Dosis, verabreicht sechs Monate nach der zweiten Spritze, die Schutzwirkung erhöhen und verträglich sein. Die bisher vorliegenden Daten dazu werden derzeit von den Behörden geprüft.

Ebenso muss abgeklärt werden, ob man Nuvaxovid als dritte Spritze nach vorangegangener mRNA- oder Vektorimpfung einsetzen darf. Bisherige Studien haben ergeben, dass mRNA- und Vektorimpfstoffe nacheinander verabreicht werden können. Es gibt sogar einzelne Hinweise, dass dieses gemischte Impfschema eine etwas effizientere Immunantwort auslöst. In Deutschland können Personen daher nach einer Basisimmunisierung mit der einen Vakzinsorte einen Booster mit der anderen erhalten.

Wer soll in Deutschland nun Novavax erhalten?

Vorerst werden nur die Bundesländer, aber noch nicht die Praxen den Proteinimpfstoff erhalten. Manche Bundesländer wollen in der ersten Märzwoche mit den Novavax-Impfungen beginnen. Gemäss einem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz (20.Januar 2022) sollen prioritär bisher nicht geimpfte Beschäftigte den neuen Proteinimpfstoff erhalten, für die ab Mitte März die einrichtungsbezogene Impfpflicht gilt. Allerdings ist derzeit noch nicht ganz klar, ob diese in allen Bundesländern umgesetzt werden wird.

Wird der Novavax-Impfstoff wirklich Impfskeptiker überzeugen?

Das kann man derzeit nicht sagen. Es ist zu erwarten, dass Menschen, die prinzipiell eine Impfung befürworten, aber Bedenken gegenüber den neuen Technologien mRNA- und Vektorimpfstoff haben, nun den Proteinimpfstoff akzeptieren. Allerdings lehnen viele Impfskeptiker nicht eine Technologie, sondern eine Corona-Impfung per se aus politischen Gründen ab. Diese werden auch nicht durch einen konventionellen Proteinimpfstoff überzeugt werden. Unklar ist, wie gross die jeweilige Gruppe unter den Ungeimpften ist.

Zudem stagniert derzeit in Deutschland die Corona-Impfkampagne. Viele Menschen stufen angesichts der abflauenden Omikron-Welle und der beginnenden endemischen Phase die Bedrohung nicht mehr als sehr gross ein. Es erstaunt somit nicht, dass in Mecklenburg-Vorpommern, wo seit Anfang Februar Termine für eine Novavax-Impfung gebucht werden können, gemäss den Behörden die Nachfrage unter den Erwartungen blieb. Allerdings ist auch die Omikron-Variante für Ungeimpfte keineswegs ungefährlich.

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